...hatte ich diesen Freitag nach dem Unterricht. Während des Unterrichts klingelt das Handy von Christian mehrere male und er verschwindet im hinteren Bereich des großen Unterrichtsraumes um mit seinen Gesprächspartnern einige Dinge zu klären.
Christian ist einer von drei Organspendeorganisatoren auf unserer Rettungswache und hatte an besagtem Abend Bereitschaft. So telefoniert er nun mit dem Koordinator der Spende, der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation), den Ärzten und den Laboren. Alles in allem ein ziemlich großer Aufwand an dem eine ganze Menge an Menschen beteiligt sind. Ich selbst sollte dies einige Stunden später auch sein. Da is zukünftig für die Johanniter in Nordrheinwestfahlen auch solche Organspenden begleiten soll bot es sich für mich an mir das ganze am Freitag Abend einmal aus nächster nähe zu betrachten.
Also nach dem Unterricht erst einmal nach Hause gefahren und gegen 22:30Uhr wieder auf der Wache gewesen. Nun mit dem Kollegen Thomas in einem der beiden Organspendeautos der JUH zuerst einmal nach Bonn zur Uniklinik gefahren, wo Detlev die drei Chirurgen, und wir die zwei Studenten, die später für die verpackung der Organe zuständig sein würden, abholen.
Nun ging es nach Siegen, wo die eigentliche Organspende stattfinden würde. Zum ersten mal kam an diesem Abend ein leicht komisches Gefühl in mir auf. Immerhin lag dort in Siegen ein hirntoter Mensch, dem die Leute, die wir abeholt hatten, gleich einige Organe entnehmen würden, um ihn danach von den Geräten zu trennen und so auch sein physisches Leben zu beenden. Und irgendwoanders in Deutschland liegen andere Patienten, deren Leben maßgeblich davon abhängt wie gut, zuverlässig und schnell wir ALLE heute nacht unseren Job machen würden. Naja man muss wohl mal in der Situation gewesen sein um das vollends nachvollziehen zu können.
Gegen 00:30Uhr in Siegen angekommen würden die Chriurgen wohl noch 30Minuten auf sich warten lassen und wir machten uns auf die Suche nach einem Aufenthaltsraum im nahezu ausgestorbenen Krankenhaus. Gegen zwei Uhr war ich auf der Bank gerade eingeschlafen als unser Handy klingelte und wir erfuhren, dass es mit der Ruhe nun vorbei sei, da wir nun eine Gewebeprobe (auch Schnellschnitt genannt) mit Sondersignal 160km nach Moers fahren dürfen würden. Was die Pathologie in Moers kann, was eine näher gelegene Pathologie nicht kann ist mir bis heute unklar, aber der Begriff Schnellschnitt gewinnt dadurch eine ganz neue Bedeutung, wie ich finde. Nun gut, wir also mit an die 20 Sachen Richtung Moers, wo wir gegen 03:20Uhr ankommen und die Gewebeprobe abliefern.
Nun geht es gemütlich wieder zurück nach Siegen. Um 05:00Uhr dort engekommen sind die Chirurgen gerade dabei ihre Arbeit zu beenden und es muss eine Niere nach Bochum gefahren werden, eine Leber nach Hamburg (mit Sondersignal) und die zweite Niere nach Bonn. Thomas und ich schaffen es geschickt uns nicht die Leber aufschwätzen zu lassen, denn er fährt für diese Organspende bereits seit 7Uhr am Vortag und ich würde um 09:00Uhr auf der Johanniterwache wieder im Unterricht sitzen müssen. Also bekommen wir den Koordinator und die zwei Studenten ins Auto gesetzt fahren die nach Bonn und nun wieder zurück nach Köln.
07:00Uhr, ich bin zuhause ein anstrengender Tag geht zu ende! Moment zuende? verdammt um 08:00 muss ich wieder raus, damit ich um 09:00Uhr auch in der Schule bin. Naja man macht das ja nicht alle Tage ;). Insgesamt muss ich aber sagen ist trotz aller Anstrengung und verantwortung die Erfahrung es allemal wert gewesen und zukünftig werde ich mich (vorrausgesetzt ich kann am nächsten Tag ausschlafen) öfter für solche Aktionen bereitstellen, denn so werden Menschenleben gerettet. Ich kann somit allen die es mit Ihrer Zeit vereinbaren können nur mal empfehlen in solche Situationen reinzuschnuppern, auch wenn der ein oder andere merken wird, dass es vielleicht rein gar nichts für ihn ist, aber ich fühle mich nun im Nachhinein sehr befriedigt, wohlwissend, dass wir alle dazu beigetragen haben, dass 2 Menschen unserer dank unserer Hilfe eine neue perspektive eroffnet bekommen haben.
Ansonsten schaffe ich es hier vielleicht mal meine kleine Leserschaft dazu zu bewegen sich über einen Organspendeausweis Gedanken zu machen (Sicher auch nicht jedermanns Sache). Ich selbst habe auch einen seit ich 16 bin ;)
http://www.dso.de/http://www.organspende-kampagne.de/extra/bestellservice/Organspendeausweis/